Rheumaerkrankungen – Ernährungsumstellung kann helfen

Am 12. Juli 2017 von

Leiden auch Sie an rheumatischen Beschwerden?! Dann gehören Sie zu den inzwischen etwa 20 Millionen Menschen in Deutschland, die davon betroffen sind. Rheumatische Erkrankungen bringen nicht nur eine Einschränkung des Bewegungsapparates mit sich, sondern können auch die Haut, innere Organe oder das Nervensystem in Mitleidenschaft ziehen. Rheumatische Erkrankungen sind fast immer mit Schmerzen verbunden und bedeuten für die Erkrankten nicht nur eine enorme Bewegungseinschränkung, sondern auch einen immensen Verlust der Lebensqualität.

Rheuma: Welche Arten gibt es?

Inzwischen wurden weit mehr als 200 verschiedene Rheumaarten ausgemacht. Um die rheumatischen Erkrankungen aufgrund der unglaublichen Vielfalt besser unterscheiden zu können, wurden sie in vier große Hauptgruppen eingeteilt:

1. Entzündlich rheumatische Erkrankungen

Bei dieser Art der rheumatischen Erkrankung beschränken sich die Entzündungen nicht nur auf einzelne oder mehrere Gelenke oder das Bindegewebe, sondern nahezu der gesamte Körper kann befallen werden. Man geht davon aus, dass 1,6 Millionen Bundesbürger von entzündlich rheumatische Erkrankungen betroffen sind. Zu dieser Gruppe gehört auch die  am häufigsten auftretende Rheumaerkrankung „Rheumatoide Arthritis“, auch chronische Polyarthritis genannt. Sie zerstört nach und nach die Gelenke. Die rheumatoide Arthritis ist dabei die häufigste entzündlich rheumatische Erkrankung – etwa 1% der Bevölkerung ist davon betroffen. Ebenso zählt die Wirbelsäulenerkrankung Morbus Bechterew in diese Gruppe.

2. Degenerative Rheumaerkrankungen

Zu dieser Gruppe zählen Gelenkerkrankungen, die vielmehr unter dem Fachbegriff „Arthrose“ bekannt sind. Die Ursachen hierfür sind größtenteils auf langjährige körperliche Belastungen zurückzuführen, die dann Abnutzungserscheinungen der Gelenkknorpel und der Gelenkknochen mit sich bringen.

3. Weichteilrheumatismus

Zum Weichteilrheumatismus zählen alle rheumatischen Erkrankungen, bei denen nicht direkt die Gelenke, sondern Binde- und Fettgewebe, Sehnen, Bänder, aber auch Schleimbeutel betroffen sind. Die meisten Menschen haben bereits selbst Erfahrungen mit weichteil-rheumatischen Beschwerden in Form von Schulter- oder Rückenschmerzen oder Verspannungen im Nacken gemacht. Lokale Weichteilbeschwerden betreffen nur einzelne Partien des Körpers. Sie entstehen oft aus Überlastung oder Fehlbelastung heraus und äußern sich beispielsweise in Sehnenscheiden- oder Schleimbeutelentzündungen. Zu den häufigsten Erkrankungen zählt hier mittlerweile die Fibromyalgie. Fibromyalgie bedeutet so viel wie Faser-Muskel-Schmerz. Typisch hierfür sind Schmerzen in verschiedene Körperregionen, außerdem können noch Beschwerden wie Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrations- und Schlafprobleme hinzukommen. Allerdings kann eine Fibromyalgie bei jedem Patienten ganz unterschiedlich zum Ausdruck kommen. Da die Beschwerden häufig auch bei anderen Erkrankungen zu finden sind, ist sie sehr schwierig zu erkennen.

4. Stoffwechselerkrankungen

Zu dieser Gruppe rheumatischer Erkrankungen zählen Krankheiten des Bewegungssystems durch Stoffwechselstörungen – z. B. bei chronischen Erkrankungen wie Osteoporose, aber auch Gicht oder Diabetes können mit rheumatischen Beschwerden einhergehen.

Rheumaerkrankungen – Autoimmunerkrankungen

Für das Robert-Koch-Institut in Berlin handelt es sich gerade bei den entzündlichen rheumatischen Erkrankungen oft um chronisch verlaufende Erkrankungen des Immunsystems, nicht selten auch um Autoimmungeschehen. Bei sogenannten Autoimmunkrankheiten kann der Körper nicht mehr zwischen körpereigenem und fremdem Gewebe unterscheiden. Er richtet sozusagen seine Abwehrmechanismen gegen sich selbst. Stellen Sie sich das Ganze anhand einer Allergie vor. Anstatt, dass der Körper die unverträglichen Lebensmittel wie Äpfel oder Nüsse bekämpft, werden dagegen bestimmte Zellen in der Bauchspeicheldrüse angegriffen. Eine Verbindung sieht man hier bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die gerade bei Autoimmunerkrankungen wesentlich häufiger auftreten als in der Allgemeinbevölkerung.

Einfluss der Ernährung bei Rheuma

Dass das Ernährungsverhalten einen großen Einfluss auf die Entstehung von Krankheiten und gesundheitlichen Beschwerden hat, hat sich mittlerweile immer weiter durchgesetzt. Besonders in Bezug auf entzündliche Erkrankungen wie Rheuma gibt es inzwischen neue Erkenntnisse, inwiefern Ernährung Entzündungen fördert oder eindämmt. Im Fokus der Forschung stehen hier Entzündungsstoffe, sogenannte Eicosanoide. Arachidonsäure, die Vorstufe der Eicosanoide, findet sich in vielen Lebensmitteln.

Arachidonsäure in der Ernährung – Entzündungsbeschleuniger

Arachidonsäure ist eine mehrfach ungesättigte Fettsäure und gehört zu den Omega-6-Fettsäuren. Sie ist nur in Lebensmitteln tierischer Herkunft wie beispielsweise in Fleisch (Schwein, Rind, Geflügel) Eigelb, Innereien oder Schweineschmalz enthalten. Mit Hilfe von Enzymen können diese Fettsäuren im Körper sogenannte Eicosanoide bilden. Diese wiederum heizen Entzündungen in den Gelenken an und verstärken somit die rheumatischen Schmerzen. Die Ernährung spielt also durchaus eine Rolle.

Ernährungstherapie bei Rheuma

Schwerpunkte einer Ernährungstherapie ist somit das Erkennen von krankheitsverstärkenden Lebensmittelinhaltsstoffen, aber auch das Vermeiden von entzündungsfördernden und die vermehrte Zufuhr von entzündungshemmenden Lebensmittelinhaltsstoffen. Laut Prof. med. Dr. Jürgen Wollenhaupt, Chefarzt der Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie in Hamburg-Eilbeck, beeinflusst die Ernährung erheblich die rheumatischen Entzündungsreaktionen im Körper. Er empfiehlt daher seinen Patienten eine Ernährung die, wie er es in einem TV-Beitrag nannte, wie ein Feuerlöscher auf die Entzündungen wirkt.

Entzündungshemmende Lebensmittel

Entzündungshemmend wirken Lebensmittel, die keine oder wenig Arachidonsäure enthalten. Das sind im Wesentlichen Obst und Gemüse sowie Lebensmittel, die Omega-3-Fettsäuren enthalten. Durch Omega-3-Fettsäuren wird die Bildung entzündungshemmender Stoffe gefördert. Omega-3-Fettsäuren sind sozusagen die Gegenspieler der Arachidonsäure. Omega-3-Fettsäuren können die Arachidonsäure ersetzen und hemmen somit den Entzündungsprozess in den Gelenken. Neben fettreichen Fischsorten sind auch Lein- und Rapsöl wertvolle Omega-3- Spender. Eine vegetarische und obst- und gemüsereiche Kost kann daher als entzündungsvermindernd angesehen werden. So finden sich in der Fachliteratur vermehrt Hinweise darauf, dass die Häufigkeit bei entzündlich-rheumatischer Erkrankung bei Vegetariern deutlich niedriger ist als bei Menschen, die häufig Fleisch essen.

Auch FOCUS ONLINE berichtet, welche gesunden Auswirkungen Omega-3-Fettsäuren haben.

Die richtige Menge an Omega-3

Prof. Dr. Med. Olaf Adam ist Arzt und Experte auf dem Gebiet der Ernährungsmedizin. Untersuchungen von ihm mit Rheumapatienten ergaben, dass bei vegetarischer Kost eine deutliche Verbesserung der Beschwerden eintrifft. Logische Schlussfolgerung für ihn ist somit, dass die zugeführte Menge an Arachidonsäure in der Nahrung unbedingt reduziert werden muss. Laut Adam werden mittlerweile durch den hohen Fleischkonsum schon etwa 200-400mg Arachidonsäure täglich aufgenommen. Dem menschlichen Körper reichen jedoch schon etwa 100 mg pro Tag. Die überhöhte Zufuhr bewirkt eine ansteigende Menge Arachidonsäure in den Körperzellen.

Fasten bei rheumatischen Erkrankungen

Der Berliner Rheumatologe Prof. A. Krause geht sogar so weit, geeigneten Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen in seiner Klinik ambulantes und stationäres Fasten anbietet. Seine Beobachtungen: „Fasten bringt oft eine deutliche Linderung der Schmerzen und Steigerung der Beweglichkeit, da der Arachidonsäurespiegel schnell sinkt und über die Nahrung kein Nachschub geliefert wird.“

Überaschende Verbesserungen durchs Fasten wurden bei Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis festgestellt. Das Fasten erfolgt auf Basis einer Nulldiät mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr von 2-3 Litern für drei bis sieben Tage. Bereits nach etwa zwei Tagen kommt es bei den Erkrankten zu einer deutlichen Abnahme der Schmerzen und Schwellungen in den Gelenken. Die Beschwerden treten dann wieder auf, wenn wieder auf Normalkost von pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln umgestellt wird. Dagegen hält eine Verbesserung der Beschwerden an, wenn anschließend auf eine vegetarische Ernährungsweise umgestellt wird, also auf eine arachidonsäurefreie Kost, was zu einem schnellen Absinken des Arachidonsäurespiegels führt. Diese Erfolge wurden vor allem in den Rheumakliniken in Hamburg und Berlin erzielt.

Ernährungsempfehlungen  der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE)

Auch die konkreten Ernährungsempfehlungen von der DGE sehen so aus, dass Betroffene den Fleisch und Fleischproduktekonsum erheblich reduzieren sollten. Stattdessen sollten möglichst zwei Fischmahlzeiten pro Woche auf den Speiseplan kommen. Vor allem Fischsorten wie Seefische (Hering, Lachs, Makrele, Thunfisch, Sardinen), die einen hohen Gehalt an Omega-3 Fettsäuren beinhalten. Zu einer Abnahme des Arachidonsäurespiegels können hochwertige pflanzliche Öle und Fette beitragen. Sie enthalten außerdem Vitamin E, das die Zellen vor freien Radikalen schützt. Für eine ausreichende Versorgung mit wichtigen Spurenelementen und Vitaminen sollen täglich Vollkornprodukte, Obst, Gemüse und Salat auf den Tisch kommen. Auf Alkohol sollte weitestgehend verzichtet werden, da dieser Entzündungsprozesse noch zusätzlich verstärken kann.

basenfasten und basenüberschüssige Kost bei Rheuma

Ich selbst kann anhand meiner langjährigen Praxiserfahrungen sehr positive Erfahrungen mit basenfasten – eine absolut arachidonsäurefreie Kur – und der Umstellung der Patienten auf basenreiche Ernährung berichten. Bei einer 1-2 wöchigen basenfasten Kur in der ausschließlich Obst und Gemüse auf den Tisch kommen, wird komplett auf Nahrungsmittel tierischer Herkunft verzichtet. Dadurch gelangen keine entzündungsfördernden Stoffe in den Körper. Eine Kost mit viel Obst und Gemüse hat zudem den Vorteil, dass der Körper gleichzeitig Antioxidantien wie Vitamin C und Beta-Carotin geliefert bekommt. Rheumatiker haben einen erhöhten Bedarf an Antioxidantien, denn nur so können sie bei entzündlichen Prozessen die vermehrt entstehenden Sauerstoffradikale wieder abfangen. Frische Kräuter und bunte Gewürze, die beim basenfasten verwendet werden, sind ebenfalls eine gute Quelle für Antioxidantien.

Erfahrungen mit basenfasten bei Rheuma

Viele Menschen, die eine basenfasten Kur durchgeführt haben, berichten, dass ihre Schmerzen unter basenfasten abnehmen. So häufen sich bei uns die Rückmeldungen sowohl per Emails als auch in unseren Kursen, dass bei vielen Teilnehmern die Arthroseschmerzen innerhalb einer Basenfastenwoche deutlich zurückgingen. Diese Besserung erfolgt in den meisten Fällen nach einigen Tagen reinen basenfastens -ohne, dass zusätzliche Basenpräperate oder Medikamente eingenommen werden. Das Weglassen der Säurebildner führt hier trotz des chronischen Geschehens und des meist fortgeschrittenen Alters der Betroffenen schnell zur Entlastung und zum Beschwerderückgang.

Rezeptvorschlag für ein basenreiches Fischgericht mit reichlich Omega-3-Fettsäuren:

Seelachsfilets mit Dill auf Karotten-Mangold-Gemüse

Omega-3 bei Rheuma: Seelachsfilets auf Karotten-Mangold-Gemüse

Zutaten für 2 Personen:

  • 2 kleine Seelachsfilets (je 100g)
  • Saft von ½ Zitrone
  • Meersalz
  • frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
  • 3 mittelgroße Karotten
  • 1 kleiner Mangold
  • 1 kleine Schalotte
  • 2 EL Rapsöl
  • 1 EL Sesamsalz
  • frisch gemahlener roter Pfeffer
  • 2 Stängel frischer Dill

Zubereitung:

Die Seelachsfilets abwaschen, trocken tupfen. Mit dem Zitronensaft beträufeln, salzen und pfeffern. Die Karotten mit der Gemüsebürste unter fleißendem Wasser säubern und in dünne Scheiben schneiden. Den Mangold waschen, den Strunk abschneiden und den Mangold in dünne Streifen schneiden. Die Stile und Blätter getrennt legen

Die Schalotte abziehen, klein würfeln und im Rapsöl glasig dünsten. Die Karotte dazugeben, kurz andünsten, die Mangoldstiele dazugeben und mit wenig Wasser ablöschen, dann das Sesamsalz und den Pfeffer dazugeben. Nach wenigen Minuten die Mangoldblätter dazugeben und andünsten.

Den Dill waschen, klein hacken und über den Fisch geben. Ein wenig Dill für die Deko übrig lassen. Die Seelachsfilets auf das Mangold-Karotten-Gemüse setzen. Zugedeckt bei mittlerer Hitze etwa 10. Min. garen.

Auf 2 Teller anrichten, die Seelachsfilets auf das Gemüse setzen und mit den restlichen, klein gezupften Dill bestreuen und genießen.

Omega-3 bei Rheuma: Seelachsfilets auf Karotten-Mangold-Gemüse

Tipp: Bei einer basenüberschüssigen Ernährung nach der 80/20-Regel dürfen Sie gerne zweimal die Woche Fisch essen. Achten Sie auf die richtige Menge, der Fisch sollte nur einen kleineren Platz auf Ihrem Teller neben dem Gemüse und Salat einnehmen.

Welche weiteren Lebensmittel noch entzündungshemmend wirken, erfahren Sie demnächst hier. Also schauen Sie wieder rein!

Fotos: Melanie Draganis

2 Beiträge zu “Rheumaerkrankungen – Ernährungsumstellung kann helfen”

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