Sabine Wacker antwortet: Calciummangel bei einer basenreichen Ernährung?

Am 12. April 2022 von

Heute möchte ich gerne in meiner Blog-Reihe Sabine Wacker antwortet wieder eine meiner Leserzuschriften beantworten und Sie damit gleichzeitig ernährungsmäßig auf dem laufenden halten.

Frau L. aus Mainz wüsste gerne: Wenn ich mich basenüberschüssig ernähren möchte, sollte ich nicht so viele Milchprodukte verzehren. Aber bekomme ich dann genug Calcium?

Keineswegs müssen Sie bei einem gelegentlichen Verzehr von Milchprodukten gleich einen Calciummangel befürchten. Hartnäckig hält sich noch immer das Gerücht, Milch sei einer unserer wichtigsten Calciumlieferanten und ohne Milchprodukte laufe man Gefahr, an Osteoporose zu erkranken. Der Konsum von Milchprodukten in den Industrieländern ist in den vergangenen Jahren drastisch angestiegen – paradoxerweise zugleich aber auch die Anzahl an Osteoporosefällen!

Was ist eigentlich Milch?

Schauen wir uns doch erst mal an, was Milch eigentlich ist, so müssen wir feststellen, dass sie gar nicht für unseren täglichen Speiseplan gedacht ist. Milch wird von Menschen und Tieren als Säuglingsnahrungsmittel produziert. Ein Kälbchen muss in kürzester Zeit viel mehr wachsen als ein menschlicher Säugling. Deshalb ist die Kuhmilch viel reicher an Eiweiß als die Menschenmilch. Für einen Erwachsenen ist die Milch eigentlich ein zu konzentriertes Lebensmittel und sollte daher allenfalls zu Genusszwecken und sehr mäßig verzehrt werden. Ein Erwachsener, der viele Kuhmilchprodukte zu sich nimmt, überernährt sich sozusagen automatisch. Leider wird die Milch auch oft als reines Getränk angesehen, sie sollte vielmehr als Mahlzeit gezählt werden.

Milch

Die Sache mit dem Calcium

An nichts halten wir jedoch so verbissen fest wie an der Milch und deren Wert für unsere Gesundheit. Woran liegt das? Kalzium ist das mit Abstand am häufigsten vorkommende Mineral im Körper: 1 kg haben wir im Körper, davon befinden sich 99 Prozent in Knochen und Zähnen. Daneben wird Kalzium auch für die Blutgerinnung und andere Stoffwechselvorgänge benötigt. Es ist also ein sehr wichtiger Mineralstoff für unsere Gesundheit. Trotzdem erkranken immer mehr Menschen an Osteoporose, obwohl zeitgleich der Milchprodukteverzehr in den vergangen Jahren sogar gestiegen ist. Und dabei sind es nicht nur ältere Menschen, die von Knochenschwund betroffen sind.

Welche Gründe sind dahinter noch zu vermuten?

Interessanterweise wurde nachgewiesen, dass Kalzium, wenn es zusammen mit Eiweiß aufgenommen wir, vermehrt aus dem Körper ausgeschieden wird. Und Milch ist sehr eiweißhaltig. Welch et al. ermittelte in seiner Studie mit Frauen im Alter von 42 bis 82 Jahren, dass eine erhöhte Säureaufnahme zu niedrigen Werten in der Knochendichte führt. Noch dazu konnte er nachweisen, dass eine Säurebildende Diät die Calciumausscheidung im Urin erhöht. Ein zu hoher Eiweißanteil in der Nahrung führt also zu Calciumverlusten, weshalb man die so hoch gelobte Calciumquelle Milch fragwürdig betrachten sollte. Nämlich gerade durch diesen Calciumverlust steigt wiederum die Osteoporosegefahr – die man durch einen gesteigerten Milchkonsum gerade abwenden möchte! Vitamin D dagegen, fand man heraus, kann die Calciumaufnahme verbessern. Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin und findet sich vor allem in Fisch. Deshalb empfiehlt die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.) mindestens ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche in seinen Speiseplan aufzunehmen.

Weitere Studien zum Thema

Aber auch andere Mediziner haben auf diesem Gebiet ihre Forschungen vorangetrieben. Bei einer Studie der Harvard University mit 75.000 Frauen fand man heraus, dass die Knochen trotz Milchkonsum nicht widerstandsfähiger wurden, sondern sogar einem höheren Bruchrisiko ausgesetzt waren. Eine Erklärung dafür lieferten die Wissenschaftler damit, dass durch den häufigen Milchkonsum der Körper übersäuert wird. Um den Körper wieder zu neutralisieren, entzieht er ihm aus den Knochen Kalzium, wodurch die Osteoporoseanfälligkeit steigt. Eine Ernährung mit Kalzium aus Gemüse zeigte dagegen, dass sich die Knochendichte verbesserte. Während Sie also denken mit Milch etwas für Ihren Calciumbedarf zu tun, sorgen Sie allerdings gleichzeitig dafür das Kalzium abgebaut wird. Welch et al. ist nicht der Einzige, der den starken Milchkonsum kritisch betrachtet.

Untermauert werden seine Ergebnisse auch durch die Studien von Sellmeyer et. al. Seine Untersuchungen beruhen auf der Frage: „Führt ein höherer Anteil an tierischen Produkten in der Ernährung, gemessen anhand der aufgenommenen Proteine, zu einem erhöhten Knochenverlust (Osteoporose) und erhöht sich damit das Risiko von Knochenbrüchen?“ Dazu untersuchte er über einen längeren Zeitraum weit über 1000 Frauen, die zu diesem Zeitpunkt älter als 65 Jahre waren. Das Ergebnis zeigte, dass bei älteren Frauen eine vermehrte Proteinaufnahme von tierischen Proteinen gleichzeitig mit einem höheren Frakturrisiko einhergeht. Auch die Knochendichte im Oberschenkelhals nahm schneller ab. Ein höherer Basengehalt in der Nahrung führte dagegen nachweislich zu einer höheren Knochendichte und damit auch zu einem geringeren Frakturrisiko. In diesem Zusammenhang ging er noch weiter und ermittelte die Häufigkeit von Hüftfrakturen in den unterschiedlichen Kulturkreisen. Und auch dort kristallisierte sich deutlich heraus, dass Länder mit einem niedrigen tierischen Proteinverzehr weniger Hüftfrakturen aufwiesen, als diese mit einem hohem Proteinverzehr. In Afrika, in denen es keinerlei Milchprodukte gibt, kennt man diese Erkrankung gar nicht. Dafür sind die Menschen dort viel an der frischen Luft und in der Sonne und essen ein Vielfaches mehr an Ballaststoffen, als wir das tun. Diese Ergebnisse zeigen deutlich, dass Milch im Grund nicht die alleinige Rettung von Osteoporose sein kann.

Lange Zeit glaubte man jedoch, dass der Abbau der Knochenmasse und der Knochenstruktur allein mit einem Calciummangel zusammen hinge und setzte vorwiegend auf eine Therapie mit Calciumtabletten und Milchprodukten. Seit einigen Jahren weiß man, dass die Zusammenhänge komplexer sind und dass vor allem dem Phosphat eine entscheidende Rolle beim verstärkten Knochenabbau zukommt. Wie Sie sehen, ist das Thema recht komplex und es gibt viele Meinungen und Erkenntnisse dazu, die weit auseinander gehen. Einen ganz anderen Denkansatz liefert die Betrachtung, dass es nicht nur auf den reinen Calciumgehalt eines Nahrungsmittels ankommt, sondern vor allem darauf, in welcher Bindungsform das Calcium in dem Lebensmittel vorliegt. Denn davon hängt es ab, wie gut der Körper das Kalzium aufnehmen kann. Das gilt natürlich auch für alle anderen Vitalstoffe. Bekannt ist diese Tatsache längst bei Eisen. Eisen wird, vor allem in Tablettenform, nur schlecht von der Darmschleimhaut aufgenommen und führt meist zu unangenehmen Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen und Verstopfung.

Dass Milch nicht nur gesund ist, zeigt sich auch darin, dass die Unverträglichkeit von Kuhmilch inzwischen zu einer der häufigsten Nahrungsmitteln-Unverträglichkeiten gehört. Womit das zusammenhängt, ist wissenschaftlich noch nicht ganz geklärt. Man geht aber davon aus, dass die großen Mengen, in denen Kuhmilch und Kuhmilchprodukte verzehrt werden, ein Hauptgrund dafür sind. Sieht man sich nur einmal die Kühlregale mit ihren Milchprodukten an – Käse, Joghurts, Puddings, uvm. – dann wird schnell klar, wie viel Milchprodukte täglich auf unserem Tisch landen. Interessanterweise kommen Unverträglichkeiten auf Ziegen- und Schafsmilch viel seltener vor. Milch wirkt zudem stark schleimbildend. Diese Eigenschaft kann ein Mensch, der allergischen Schnupfen, Asthma oder allergische bedingte Nasennebenhöhlenentzündung hat, nun gar nicht gebrauchen. Da basenfasten völlig frei von Milchprodukten ist, stellt allein das schon eine enorme Erleichterung für viele Allergiker dar.

Doch womit können Sie dann Ihren täglichen Calciumbedarf abdecken?

Es gibt zahlreiche andere Calciumlieferanten, die leider in vielen offiziellen Nährstofftabellen bei der Frage nach Calcium nicht genannt werden. Und gerade die basische Küche hat einiges an Calciumlieferanten zu bieten.  Neuere Studien deuten darauf hin, dass Kalzium aus Gemüse und Kräutern vom Körper besser aufgenommen werden kann als aus der Milch. Rucola, Sesam, auch Sesamsalz, Mandeln, Kresse, Grünkohl, Kichererbsen, getrocknete Feigen, Petersilie, Schnittlauch, Brennnessel, Löwenzahn besitzen ebenfalls einen hohen Calciumwert. In frischen Rukola- und Kressesprossen ist der Calciumgehalt sogar noch höher. Ihr Vorteil: Sie enthalten teilweise viel mehr Calcium als Kuhmilch, das noch dazu vom Körper leichter und vollständig aufgenommen werden kann. Um Ihren Calciumbedarf zu decken, brauchen Sie also keine Milch. Auch Getreide, vor allem Getreidesprossen, enthalten eine Menge Calcium.

Versuchen Sie es doch mal mit diesem leckeren Salat, um Ihren Calciumbedarf abzudecken:

Rukolasalat mit Mandeln

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Rucolasalat mit Zedernüssen

Zutaten

Petersiliendressing

  • 1 Bund Blattpetersilie
  • 1 Schalotte
  • 2 EL Olivenöl
  • ½ Zitrone
  • Wacker Kräutersalz Bio
  • etwas frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer

Anleitungen

  • Die Rukolablätter waschen und abtropfen lassen und die Karotten putzen, auf dem Gemüsehobel mittelfein raspeln und mit den Rukolablättern vermengen.
  • Zedernüsse klein hacken und unter den Salat heben.
  • Für das Dressing Petersilie waschen, trocken schütteln und fein hacken. Die Schalotte abziehen und fein schneiden. Das Öl sowie die restlichen Zutaten dazugeben und vermischen.
  • Das Dressing unter den Salat mischen. Die Gartenkresse darüber streuen und genießen.

Foto Kniegelenk : Canva von Krisanapong detraphiphat

4 Beiträge zu “Sabine Wacker antwortet: Calciummangel bei einer basenreichen Ernährung?”

  1. Petra Luckau sagt:

    Sollte ich während des Basenfastens begleitend mit pflanzlichen Mitteln (z.B. Panaceo Basic-Detox Pulver) entgiften, basische Nahrungsergänzungsmittel zum Entsäuern und Mittel zum Aufbau der Darmflora einnehmen?

    • Liebe Frau Luckau,

      Nahrungsergänzungsmittel müssen Sie nicht extra zu sich nehmen, die basenfasten Kur alleine reicht aus. Auch extra Darmbakterien sind nicht notwendig. Einläufe zerstören nicht die Darmflora,
      genauso wenig wie Bittersalz. Auch das hat keine schädigende Wirkung. Allerdings sollten Sie sich nach der basenfasten Kur basenreich weiter ernähren, sonst haben Sie schnell wieder eine negative Säurebilanz. Die Ernährung allein ist längst nicht alles, um einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt zu bekommen. Auch die Faktoren Bewegung, Verhältnis zum Stress und Erholung des Gefühlslebens, sollten im Einklang sein.

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