Sabine Wacker antwortet: Roh besser als gekocht?

Am 2. April 2017 von

Es geht weiter mit unserer Blog-Reihe Sabine Wacker antwortet.

Die nächste Leseranfrage kommt von Frau H. aus Offenbach:

Hallo Frau Wacker,

in meinem Bekanntenkreis schwören einige auf den Verzehr von Rohkost. Bei dieser Form der Ernährung habe ich allerdings bedenken, ob man so viel Rohkost auch wirklich gut verträgt. Beim basenfasten setzen Sie auf Basenbildner, die besonders viele Mineralstoffe und Vitamine enthalten, aber gehen diese durch das Kochen nicht verloren? Deshalb meine Frage, was halten Sie davon, ist roh wirklich besser als gekocht? Sie selbst empfehlen während Ihrer basenfasten Kur ausschließlich nur zur Vormittagszeit Rohkost zu essen und gegen Nachmittag dann nur noch warme Speisen zu verzehren.

Sabine Wacker antwortet: Roh besser als gekocht?

Liebe Frau H.,

für viele reine Rohkost Anhänger, auch Raw-Food genannt, ist die Sache klar, nur roh ist gesund. Sie vertreten die Meinung, jegliches Erwärmen zerstöre die Vitalstoffe und die basenbildende Wirkung von Obst und Gemüse. Es stimmt, dass durch Erwärmen ein gewisser Verlust eintritt. Keineswegs gehen aber sämtliche Basen und Vitalstoffe beim schonenden Garen verloren. Bei manchen Gemüsesorten macht erst das Garen die gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe optimal verfügbar.

Diese Gemüse sind gekocht gesünder

So haben beispielsweise Karotten ihre orangene Farbe dem Wirkstoff Beta-Carotin zu verdanken. Dieser Wirkstoff wird im Körper in Vitamin A umgewandelt und sorgt u.a. für eine bessere Sehkraft. Das Beta-Carotin ist in der Pflanzenzelle verschlossen, in den Ballaststoffen sozusagen, es wird erst durch das Zerkleinern und Kochen der Möhren aufgeschlossen. Diese quellen auf und machen es dann für den menschlichen Körper  nutzbar. Wenn Karotten gekocht gegessen werden, sind sie für den Körper nicht nur besser verdaubar, sondern steigern auch den Anteil an wirksamen Nährstoffen, die der Körper verarbeiten kann. Aber auch Kürbis und Süßkartoffeln zählen ähnlich wie Karotten zu den Lebensmitteln mit einem hohen Beta-Carotin-Anteil die, wenn Sie das Gemüse kochen, leichter vom menschlichen Körper aufgenommen werden können. Manchmal ist es auch eine Frage des Geschmacks, denn die Vorstellung Süßkartoffeln oder Kürbis roh zu essen, ist nicht jedermanns Sache. Auch Pilze sind gekocht nicht nur gesünder, sondern auch sicherer. Es gibt nämlich einige Pilzarten, wie Champignons, die zwar häufig roh im Salat serviert werden, aber gekocht sind sie wesentlich leichter verdaulich. Pilze haben nämliche eine relativ feste Zellstruktur, aber erst durch das Kochen werden die wertvollen Nährstoffe freigesetzt und mögliche Giftstoffe dabei vernichtet.

Schwer verdaulich

Damit wären wir beim nächsten Punkt, dass viele Menschen größere Mengen Rohkost nur schwer verdauen können und davon schmerzhafte Blähungen oder andere Verdauungsstörungen bekommen können. Der Darm vieler Menschen ist inzwischen zu sehr an ballaststoffarme, industriell gefertigte Nahrung gewöhnt, die vom Darm nur wenig Leistung fordert. Der hohe Ballaststoffanteil der reinen Rohkost wird-vor allem bei einer plötzlichen Umstellung-nicht gut vertragen und führt zu Gärung im Darm, wobei wiederum Säuren entstehen.

Schonende Zubereitung

Das Beste ist eine ausgewogene Mischung aus Rohkost und schonend gegartem Gemüse, um einen ein entscheidenden Beitrag zu einem ausgewogenen Säure-Basen-Haushalt zu leisten. Denn mit einer schonenden Zubereitungsweise kann man dennoch dafür sorgen, dass möglichst wenig basenbildende Eigenschaft zerstört werden. Den größten Basengehalt hat gegartes Gemüse, wenn Sie zum Garen einen Gemüsedämpfer ohne Dampfdruck verwenden. Sie erhalten damit weitgehend die wertvollen Vitamine, Mineralstoffe und Bioaktivstoffe, die mitverantwortlich sind für Farbe und Aroma von Gemüse. Gemüsedämpfer gibt es aus Edelstahl, aus Bambus und als Einbaugerät. Die preiswerteste Variante ist eine Einhängesieb aus Metall, das in den Kochtopf passt. Damit bleibt Gemüse immer noch knackig frisch. Alternativ können Sie Gemüse auch in einem Wok mit etwas Wasser oder in einer Suppe kochen, so gehen die Nährstoffe in die Brühe über.

Sabine Wacker antwortet: Roh besser als gekocht?

Tipps für mehr Genuss mit Rohkost

Wenn Sie ein paar Tipps beherzigen, dann können Sie auch mit einem Rohkost-Anteil auf ihrem Speiseplan nichts falsch machen. Es ist auf jeden Fall wichtig, viel Obst und Gemüse zu essen und dass auch zu einem Teil in roher Form. Wenn Sie bisher wenig Rohkost gegessen haben, starten sie ihrem Verdauungssystem zuliebe mit kleineren Portionen, die sie bei guter Verträglichkeit allmählich vergrößern können. Achten Sie bei rohem Obst und Gemüse darauf, sehr gründlich zu kauen und langsam zu essen. Verzehren Sie rohes Obst und Gemüse lieber in der ersten Tageshälfte, da es dann vom Verdauungssystem leichter verarbeitet werden kann. Im Sommer können Sie leckere Salate mit frischen Zutaten machen, die Sie im Winter mit gebackenem Gemüse wie Kürbis oder Süßkartoffel zusätzlich ergänzen können. Ein Rohkost-Salat und ein Obstfrühstück mit vielen wertvollen Antioxidantien sollte auf jeden Fall zum festen Bestandteil Ihrer Ernährung gehören.

Versuchen Sie es doch zum Einstieg mit diesem leichten Rezept. Mit dem richtigen Aromen, ist Gemüse dämpfen nämlich durchaus eine runde Sache:

Gedämpftes Sesamgemüse

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Gedämpftes Sesamgemüse
Gedämpftes Sesamgemüse
Stimmen: 2
Bewertung: 4
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Vorbereitung 15 Minuten
Kochzeit 30 Minuten
Portionen
2 Personen
Zutaten
  • 1 kleiner Brokkoli
  • 2 Karotten
  • 1 Wirsing
  • Saft von 1 Zitrone
  • 2 EL Tahin (Sesammus)
  • 2 EL Sesam
  • 4 EL Quellwasser
  • etwas Meersalz
  • etwas frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer
  • frische Petersilie
Vorbereitung 15 Minuten
Kochzeit 30 Minuten
Portionen
2 Personen
Zutaten
  • 1 kleiner Brokkoli
  • 2 Karotten
  • 1 Wirsing
  • Saft von 1 Zitrone
  • 2 EL Tahin (Sesammus)
  • 2 EL Sesam
  • 4 EL Quellwasser
  • etwas Meersalz
  • etwas frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer
  • frische Petersilie
Gedämpftes Sesamgemüse
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Anleitungen
Für das gedämpfte Gemüse:
  1. Den Brokkoli waschen, in Röschen zerteilen und die Röschen halbieren.
  2. Die Karotten waschen, schälen und in dünne Streifen schneiden.
  3. Den Wirsing in der Mitte halbieren, den Strunk und die äußeren Blätter entfernen. Die Wirsingblätter waschen und in dünne Streifen schneiden.
  4. Den Boden des Kochtopfes mit etwa 1/2 Liter Wasser bedecken. Den klein geschnittenen Wirsing zuerst in das Einhängesieb oder den Dampfgarer geben-das Gemüse darf nicht in dem Wasser liegen. Nun wird der Topf erhitzt. Das Wirsinggemüse für etwa 20 Minuten garen.
    Sabine Wacker antwortet: Roh besser als gekocht?
  5. Nach der Hälfte der Zeit den Brokkoli dazugeben und für etwa 10 Minuten garen und kurz vor Schluss noch die Karottenstreifen hinzuzugeben. Das Gemüse sollte noch schön bissfest sein.
Für das Sesamdressing:
  1. 2 EL Tahin mit Zitronensaft und so viel Quellwasser hinzugeben und mischen bis ein sämiges Dressing entsteht.
  2. Den Sesam in einer beschichten Pfanne kurz anrösten.
  3. Petersilie waschen, abtropfen lassen und klein hacken.
  4. Das gedämpfte Gemüse auf einem Teller anrichten, etwas würzen und mit dem Sesam-Dressing sowie den Sesamsamen und der frischen Petersilie anrichten und genießen.

Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg mit basenfasten nach Wacker.

Falls Sie noch mehr offene Fragen haben, die Sie gerne beantwortet haben möchten, dann schreiben Sie doch mir und meinem basenfasten Team. Vielleicht kommt demnächst auch Ihre Frage in unserer Reihe Sabine Wacker antwortet dran.

2 Beiträge zu “Sabine Wacker antwortet: Roh besser als gekocht?”

  1. Angela sagt:

    Liebe Frau Wacker,

    Sie schreiben: „Wenn Karotten roh gegessen werden, sind sie für den Körper nicht nur besser verdaubar, sondern steigern auch den Anteil an wirksamen Nährstoffen, die der Körper verarbeiten kann.“

    Ich vermute, Sie meinen: „Wenn Karotten GEKOCHT…“— oder? 😉

    Besten Dank, Angela

    PS: Ist frisches Sauerkraut beim Basenfasten gestattet?
    Und wieso ist Spargel verboten? Es kursieren so viele Säure-Base-Ansichten im Netz, da weiß man am Ende gleich gar nichts mehr… Genau so scheinen sich die Geister am Thema Essig/ Apfelessig zu scheiden.

    • Liebe Frau Puhan,
      genau, da ist uns wohl ein Fehler passiert, natürlich sind gekochte Karotten gemeint.

      Frisches Sauerkraut ist beim basenfasten gestattet, Spargel enthält für ein Gemüse relativ viel Purin und Harnsäure, die können im Körper Säurebildung verursachen, deshalb ist er lediglich ein guter Säurebildner. Welche Lebensmittel Sie im Einzelnen während Ihrer basenfasten Kur verzehren können, erfahren Sie mit Hilfe unserer basenfasten Einkaufshilfe:

      http://www.basenfasten.de/basenfasten/basenfasten-einkaufshilfe.php

      Essig dagegen ist in seiner Wirkung umstritten. Zahlreiche Messungen konnten nachweisen, dass insbesondere Obstessig für einen unausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt sorgt. Etwas Essig in der Salatsauce übersäuert nicht gleich den ganzen Organismus. Aber Essig liefert auch keine Basen, deshalb hat er bei einer Entsäuerungskur nichts zu suchen.
      Wir wünschen Ihnen noch viel Erfolg mit basenfasten nach Wacker!

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