Eine Bohne, die es in sich hat – Kaffee

Am 31. März 2022 von

Ist Kaffee nun gesund oder nicht? Darüber scheiden sich die Geister. Tatsache ist, dass er so viele Wirkungen hat, dass man sie kaum alle in einem Artikel beschreiben kann. Tatsache ist, dass Kaffee seit dem 14. Jahrhundert bekannt ist. Tatsache ist, dass er stark anregend wirkt. Tatsache ist, dass Kaffee ein Genussmittel ist und daher bei Fasten und Basenfasten nichts zu suchen hat.

Kaffee

Kaffee steht – nach Erdöl – auf Platz 2 der Welthandelsgüter. Während sich um die Entdeckung der Kaffeebohne und ihrer Wirkung viele Mythen ranken, weiß man, dass der Name Kaffee aus dem Arabischen stammt und sich von Qahwah – das Erregende – ableitet. Der Legende nach hat ein äthiopischer Ziegenhirte entdeckt, dass seine Ziegen immer völlig aufgedreht waren und wild herumtanzten, nachdem sie die roten Beeren der Kaffeepflanze gefressen hatten. Heute wissen wir, dass dies mit der anregenden Wirkung des Coffeins auf das Zentralnervensystem zusammenhängt.

Neben dem Hauptwirkstoff Coffein enthält Kaffee auch Chlorogensäuren, die eine starke Reizwirkung auf die Schleimhäute haben. Insgesamt wurden im Kaffee Hunderte von pharmakologisch wirksamen Substanzen gefunden. Am besten erforscht davon ist die Wirkung des Coffeins.

Schauen wir uns mal die wichtigsten Wirkungen des Coffeins an, denn es ist im Wesentlichen der Inhaltsstoff Coffein, der den Kaffee zu einem der beliebtesten Getränke macht.

Was ist Coffein und wie wirkt es?

Coffein ist ein sekundärer Pflanzenstoff, genauer ein Purin-Alkaloid aus der Stoffgruppe der Xanthine und weist vielfältige pharmakologische Wirkungen auf. Coffein greift auf molekularer Ebene in verschiedene Zellvorgänge ein – daraus resultiert das große Wirkungsspektrum dieser Substanz.

Coffein hat vor allem eine starke Wirkung auf das zentrale Nervensystem – ja es ist sogar ein Nervengift. Ein Konsum von ca. 100 Tassen Kaffee am Tag, entsprechend 10 g Coffein gilt als tödliche Dosis. Das ist eine Menge, die man in der Regel nicht erreicht, die Wirkungen auf das Nervensystem sind jedoch schon bei einem Konsum von mehr als 4 Tassen deutlich zu spüren. Es gibt durchaus Menschen, die 20 und mehr Tassen am Tag konsumieren. Coffein ist die weltweit am häufigsten verzehrte Substanz mit pharmakologischer Wirkung.

Coffein findet man aber nicht nur im Kaffee. Es entsteht im Stoffwechsel vieler Pflanzen und wirkt in größeren Mengen als Nervengift. Den Pflanzen dient Coffein als Fraßschutz. Wohl wegen dieser Wirkung findet man Coffein nicht nur im Kaffeestrauch, auch in über hundert anderen Pflanzen wie im Teestrauch, im Matestrauch, in der Guarana-Frucht, in der Cola-Nuss und im Kakao-Baum. Früher dachte man, im Schwarztee wäre Teein enthalten und im Kaffee Coffein. Heute weiß man, dass es sich dabei chemisch gesehen um dieselbe Substanz handelt und nennt es einheitlich Coffein, das auch in grünem und in weißem Tee vorhanden ist. Bei der Kakaobohne ist der Inhaltsstoff Theobromin, der mit Coffein strukturverwandt ist und die gleichen anregenden Wirkungen auf das Zentralnervensystem aufweist. So beruhigend wirkt daher Schokolade gar nicht. Sie macht aber aufgrund ihres Serotoningehalts glücklich.

Die Frage ist nun: Wieviel Coffein ist wo drin?

Durchschnittlicher Coffeingehalt

  • Eine Tasse Filterkaffee, handaufgebrüht (150 ml) – ca. 100 mg
  • Eine Tasse Filterkaffe, Maschine (150 ml) – ca. 90 mg
  • Eine Tasse Espresso (25 ml) – ca. 30 mg
  • Eine Tasse entcoffeinierter Kaffee (150 ml) – 3 mg
  • Eine Tasse Schwarztee (150 ml) – 50 mg
  • Eine Tasse Kakao (150 ml) – 5 mg
  • 100g Halbbitterschokolade – 90mg
  • 100g Vollmilchschokolade – 15 mg
  • 1 Dose Cola (333ml) – 34 mg
  • 1 Dose Cola light (333ml) – 39 mg

Der Coffeingehalt hängt übrigens auch von der Kaffeesorte ab. Robusta enthält mehr Coffein als Arabica. Viele Kaffeesorten sind zudem Mischungen in unterschiedlichen Verhältnissen dieser Bohnensorten. Daher sind die Angaben in der Tabelle nicht zu 100% genau.

Kaffeetasse

Die wichtigsten Wirkungen des Coffeins sind:

  • Anregende Wirkung auf das Zentralnervensystem
  • Erhöhung der Herzfrequenz
  • Erweiterung der Herzkranzgefäße
  • Erhöhung des Blutdrucks
  • Erweiterung der Bronchien
  • Anregung der Harnbildung und Harnausscheidung
  • Anregung der Darmbeweglichkeit
  • Verbesserung der Organdurchblutung
  • Verringerung der Blutfließgeschwindigkeit in Gehirn und Darm
  • Antriebssteigernd
  • konzentrationssteigernd
  • Stimmungsaufhellend
  • Weniger Schlafbedarf

Ab einer Aufnahmemenge von 150 bis 200 mg Coffein (also ab ein bis zwei Tassen Kaffee) – in Abhängigkeit von Alter und Stoffwechsel – zeigen sich deutlich erkennbare erregende Eigenschaften des Coffeins auf das zentrale Nervensystem. Der Wirkungseintritt des Coffeins und die Abbauzeiten von Coffein schwanken sehr und sind abhängig vom Stoffwechseltyp.

Menschen mit schnellem Stoffwechsel haben Coffein in 1 bis 2 Stunden abgebaut, Menschen mit langsamem Stoffwechsel brauchen viele Stunden dazu.  Ob Coffein nun entwässernd wirkt oder nicht, wird immer wieder heiß diskutiert, da einige Studien der vergangenen Jahre zeigten, dass dies wohl nicht der Fall ist.  Nun gut, wer zwei Tassen Kaffee getrunken hat, merkt schnell, dass die Blase sich füllt. Und diese Eigenschaft belegen auch die meisten Studien.

Das im Kaffee enthaltene Coffein weist zudem eine leichte schmerzlindernde Wirkung auf, besonders bei Migräne und Kopfschmerzen vom Spannungstyp. Daher wird Schmerzpatienten oft ein moderater Konsum von Kaffee zusammen mit Schmerzmitteln empfohlen. Es gibt auch einige Schmerzmittel, die bereits Coffein enthalten. Neuere Forschungen lassen zudem vermuten, dass ein moderater Kaffeegenuss mit einem geringeren Risiko für die Parkinson‘sche Krankheit einhergeht.

Coffein: Von stimulierend bis Doping

Das im Kaffee enthaltend Coffein ist also eine psychoaktive Substanz. Coffein regt das zentrale Nervensystem, Atmung und Herzkreislauf an. Diese stimulierende Wirkung ist offensichtlich so stark, dass das internationale Olympische Komitee Coffein auf die Weltdopingliste setzte – bis 2004. Dabei durften Sportler lediglich ihren Morgenkaffee trinken.

Eine Folge dieser starken stimulierenden Wirkung ist auch, dass man langfristig weniger Schlaf benötigt. Das ist gesundheitlich gesehen deshalb bedenklich, weil wir nirgends so gut regenerieren können wie im Schlaf. Sich damit zu rühmen, wie wenig Schlaf man benötigt, ist aus gesundheitlicher Sicht nicht erstrebenswert. Die nächtlichen körperlichen Reparaturarbeiten durch zu viel Coffein zu verkürzen, ist daher nicht sinnvoll. Das ist einer der Gründe, weshalb Coffein haltige Getränke bei Fastenkuren und auch bei basenfasten tabu sind.

Suchtgefahr?

Auf den Organismus wirkt das im Kaffee enthaltene Coffein vorübergehend anregend – nach einer gewissen Zeit schlägt die Wirkung in das Gegenteil um: man wird müde und matt. Je höher der Kaffeekonsum ist, desto stärker fällt der Gegensatz zwischen Anregung und Erschöpfung aus. Viele Menschen, die morgens ihren Kaffee „brauchen“, sind von Kaffee mehr oder weniger abhängig. Es tritt bei regelmäßigem Kaffeegenuss ein Gewöhnungseffekt, eine gewisse Toleranz, ein, der aber von den meisten Wissenschaftlern nicht als Sucht bezeichnet wird.

So zeigte eine amerikanische Forschergruppe, dass das durch Coffein entstehende Abhängigkeitspotential nur gering ist. Coffein hat auch nicht die charakteristischen Eigenschaften von Substanzen, die zu Abhängigkeit führen. Es wurden keine Aktivitäten eines dafür typischen Belohnungssystems in bestimmten Gehirnarealen gefunden.

Coffeinentzug

Kopfschmerz

Kaffeeverzicht, wie wir ihn zu Beginn der basenfasten Kur erleben, kann zu Entzugserscheinungen wie Kopfschmerzen, zittrigen Händen, Kreislaufschwäche, Blutdruckschwankungen führen. Auch Schlafstörungen, Anspannungen, Seh- und Hörstörungen, Verstopfung und Reizbarkeit sind mögliche Folgen des Entzugs. Die meisten Menschen brauchen einige Tage, bis ihr Kreislauf und ihr Stoffwechsel wieder umgewöhnt sind. Man geht davon aus, dass dies mit der Wirkung des Coffeins auf Adenosin-Rezeptoren zusammenhängt. Adenosin ist ein Botenstoff, der im Gehirn auf verschiedene Neurorezeptoren wirkt. Adenosin ist auch der Botenstoff, der uns signalisiert, dass wir müde werden und eine Pause brauchen. Coffein blockiert die Adenosin-Rezeptoren, so dass wir nicht mehr merken, dass wir müde sind. Gleichzeitig bewirkt Coffein eine Ausschüttung der Stress- und Glückshormone Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin, die uns aufputschen, weil sie den Herzschlag und den Blutdruck erhöhen. Coffein trickst also den Körper aus: Er braucht eigentlich eine Pause, wird aber aufgeputscht.

Wenn durch Weglassen von Coffein die Rezeptoren nicht mehr blockiert werden, dauert es in der Regel 2 bis 3 Tage, bis sich alles wieder normalisiert hat. Daher leiden wir so oft in den ersten 3 Tagen des basenfastens – und es liegt eindeutig am Coffein und nicht am basenfasten. Man sollte daher die Wirkungen des Kaffees nicht unterschätzen und darf ihnen mit etwas Respekt begegnen.

Macht Kaffee sauer?

Rein rechnerisch ergibt sich nach der PRAL-Formel von Remer und Manz und nach Ragnar Berg für Kaffee ein Basenüberschuss, da er einige basische Mineralien und kein Eiweiß enthält, das zu Schwefelsäuren oder anderen Säuren abgebaut werden muss. Insofern wäre er basisch. Kaffee und das merkt jeder, der zu viel davon trinkt, bewirkt eine heftige Säureproduktion im Magen und führt bei zu hohem Konsum nicht selten zu Sodbrennen. Neben der großen Menge an Säure im Magen fällt auch eine entsprechende Menge basisches Natriumbikarbonat an, das zunächst ins Blut geht. Wohl wird ein Teil davon im Darm und in der Niere zurückbehalten. Wenn aber größeren Mengen basisches Bikarbonat anfallen, wie dies parallel zur Säureproduktion durch Kaffeegenuss der Fall ist, dann kommt es auch zur vermehrten Ausscheidung von Basen über die Nieren und damit zu einem Basenverlust. Das macht den Großteil der Säurewirkung des Kaffees aus.

Für die Säurebildung des Kaffees ist aber der Hauptwirkstoff des Kaffees, das Coffein, verantwortlich. Coffein ist ein Purin-Alkaloid. Die Purine selbst sind eigentlich Basen – reagieren damit basisch. Auf ihrem Weg durch den menschlichen Stoffwechsel werden sie zerlegt und in Harnsäure umgebaut. Am Beispiel der Purine kann man sehr gut erkennen, dass es darauf ankommt, wie ein Stoff im Körper umgebaut wird – zu einer Säure oder zu einer Base. Die reine Messung des pH-Wertes eines Lebensmittels sagt daher nichts darüber aus, wie es im Körper wirkt. Mache daher nie den Fehler, einen pH-Messstreifen in dein Essen zu halten, um dessen basische oder saure Wirkung zu beurteilen. Purine befinden sich außer in Kaffee auch in Fleisch, Spargel, und in Hülsenfrüchten. Entgegen der Darstellung älterer Lehrbücher ist es offensichtlich so, dass auch die Purine im Kaffee zu einer Harnsäure abgebaut werden, genauer zur Methylharnsäure. Zu viel Harnsäure belastet die Nieren und die Gelenke, was im schlimmsten Fall zu Gicht-Anfällen führen kann.

Kaffee enthält darüber hinaus Chlorogensäuren, organische Säuren, die nicht vollständig abgebaut werden können und daher leicht sauer reagieren. Da wir Kaffee nur geröstet genießen wollen kommt hier noch ein Säuerungsaspekt durch das Rösten dazu. Kaffee ist daher unbedingt als Säurebildner einzustufen und zudem gesundheitlich keinesfalls unbedenklich – in Abhängigkeit von der Menge – versteht sich.

Wie viel Kaffee ist also gesund?

Man geht von ein bis zwei Tassen Kaffee aus, die durchaus tolerierbar sind und in dieser Menge auch den ein oder anderen Benefit bringen. Höhere Menge belasten das Kreislaufsystem zu sehr und machen zu unruhig, weil Coffein eine solche starke Wirkung auf das ZNS hat. Wer langfristig täglich mehr als 500mg (bei 60 kg Körpergewicht) Coffein konsumiert, riskiert Angstgefühle, Schlafstörungen, Bluthochdruck, aber auch Magen-Darm-Störungen. 500 mg – das entspricht 5 Tassen Filterkaffee. Und die Schokolade ist da noch nicht dabei.

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